Wir bleiben beim Begriff „Geflüchtete“

Wir bleiben beim Begriff „Geflüchtete“ 

Deutliches Unbehagen äußerten die etwa 20 Mitarbeitenden von tünews INTERNATIONAL vor allem über den Begriff „Flüchtlinge“, aber auch über den Begriff „Geflüchtete“. In einem Workshop vom 6. bis 8. Dezember 2019 in Bad Liebenzell ging es um die Zukunft des Medienprojekts und die Bezeichnung der Zielgruppe.

In Bad Liebenzell mit dabei waren Redaktionsmitglieder, die seit 2015 nach Deutschland gekommen sind, davon vier aus Syrien, eines aus dem Irak, eines aus dem Iran, zwei aus Afghanistan. Zum Team gehören zudem Menschen, die seit längerer Zeit in Deutschland leben, aber zusätzliche Wurzeln in anderen Ländern haben, zwei im Iran, eine in Pakistan, eine in Griechenland.

Trotz des Unbehagens über die Wörter herrschte Übereinstimmung, dass es einen Begriff für Menschen geben muss, die nach Deutschland geflüchtet sind. Beispielsweise muss der Staat sie bezeichnen können, um ihren Status zu klären, oder die Verwaltung muss wissen, wer Anrecht auf bestimmte Leistungen hat.

Im Alltag löst der Begriff „Geflüchtete“ oft Reaktionen aus. Wer sich als geflüchtete Person offenbart, dem schreiben andere rasch Eigenschaften zu, manchmal negative. Das schmerzt. Redaktionsmitglieder wollen als Individuen wahrgenommen werden, mit ihrem jeweils eigenen Charakter und ihrer eigenen Geschichte.

Eine brauchbare Alternative zum Begriff „Geflüchtete“ haben wir nicht gefunden. Wenn wir uns bei tünews INTERNATIONAL zum Begriff „Geflüchtete“ bekennen, dann werten wir diesen bewusst positiv. Wir wollen die Vielfalt von Individuen, ihrer Herkünfte und Kulturen zeigen. Und wir haben Respekt: Wer eine Flucht über schneeverwehte Gebirgspässe oder im Gummiboot übers Mittelmeer bewältigen musste, hat lebensbedrohliche Gefahren gemeistert. Und wer dabei die Kultur seines Herkunftslandes mit sich getragen hat, verfügt über einen Schatz, um den ihn viele beneiden.

 

Bei der Nachrichtenproduktion im News-Labor von tünews INTERNATIONAL im Dezember 2019 in Bad Liebenzell: Hajera Sheikh (Studierende der Medienwissenschaft, Koordinatorin der online-Rdaktion), Feras Trayfi und die Coaches Ute Kaiser (Journalistin beim Schwäbischen Tagblatt), Sylvia Haden (aus der Verlagsbranche), Michael Seifert (langjähriger Pressesprecher der Universität Tübingen)

Foto: Mostafa Elyasian

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