Brüderliches Miteinander der Religionen und Respekt für Geflüchtete

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Brüderliches Miteinander der Religionen und Respekt für Geflüchtete

von Michael Seifert

Das Oberhaupt aller Katholiken auf der Welt, Papst Franziskus, empfängt jeden Mittwoch Tausende von Pilgern zu einer Generalaudienz vor der Peterskirche in Rom. tünews-INTERNATIONAL-Redakteur Michael Seifert hat am 3. April daran teilgenommen. Hier ist sein Bericht.

Im Rahmen der Generalaudienz hält der Papst immer eine kurze Rede, in der es meistens um religiöse Fragen geht. An diesem Mittwoch wurde er sehr politisch, sprach sehr frei und verließ immer wieder sein offizielles Manuskript. Aus Anlass einer Reise nach Marokko, von der er gerade zurückgekommen war, sprach er über das Verhältnis von Katholiken und Muslimen. Zu Beginn fragte er: „Warum geht der Papst zu den Muslimen und nicht nur zu den Katholiken? Das wollen manche wissen. Weil ich sehe, dass es so viele Religionen auf der Welt gibt. Aber warum erlaubt Gott, dass es so viele Religionen gibt? Es ist sein Wille, dass es diese Realität der vielen Religionen gibt, und das erkenne ich an. Sie kommen aus ganz verschiedenen Kulturen und blicken doch alle zum Himmel auf, zu Gott. Aber was Gott will, ist die brüderliche Gemeinschaft unter uns allen aus den verschiedenen Religionen. Die Muslime und wir sind ja ohnehin Brüder als Nachkommen von Abraham. Wir dürfen die Unterschiede nicht vergessen, aber wir müssen gemeinsam die Arbeit der Brüderlichkeit übernehmen. Und das heißt vor allem Brücken bauen.“

Brücken zu bauen lasse sich insbesondere im Umgang mit Migranten und Geflüchteten verwirklichen. Hierbei sieht er vier notwendige Schritte: „Wir müssen die Migranten aufnehmen, ihnen helfen und sie fördern und sie integrieren.“ Und dann übte er Kritik am Sprachgebrauch: „Mir gefällt der Ausdruck Migranten oder Flüchtlinge nicht, denn das sind Adjektive. Ich bevorzuge: Personen oder Menschen, die geflüchtet sind. Wir sind in eine Kultur der Adjektive verfallen – und Adjektive allein, ohne Substantiv, sind zu sehr flüssig oder gasförmig, ohne Substanz. Der Respekt erfordert es, ein Substantiv zu verwenden, weil es um konkrete Menschen geht.“

Zum Schluss erzählte Papst Franziskus, es habe ihn sehr beeindruckt, was christliche Kirchen in Marokko mit freiwilligen Helfern aus 60 Nationen für geflüchtete Menschen leisten – nach dem Motto von Jesus: „Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen.“

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